Dienstag, 13. Januar 2015

Sophia - dem Abgrund so nah von Valerie le Fiery



Sophia - dem Abgrund so nah
Eine Rezension von: Daniela Malsch
Autorin: Valerie le Fiery
Erschienen im RomanVerlag
Preis: 9,99 Euro
202 Seiten, Taschenbuch (Paperback)
ISBN 978-0692343180
http://www.bloggdeinbuch.de/

Kurzbeschreibung:

Wer entscheidet denn, was Glück wirklich ist? ...

Sophia hat alles, was man sich mit Mitte dreißig wünschen kann – einen gut aussehenden Mann, einen tollen Job, ein eigenes Häuschen und eine Tochter, die allerdings gerade mitten in der Pubertät steckt.

Eigentlich könnte sie glücklich und zufrieden sein, wenn …
… es nicht immer wieder Streit mit dem Angetrauten gäbe.
… sie auch ab und zu einmal Zeit hätte … für sich und die Familie.
… das Leben nicht eines Tages ohne Vorwarnung eine falsche Karte ausspielen würde.

Wird Sophia lernen, sich ihren Problemen zu stellen oder wird sie scheitern? An ihrer Ehe, am Leben, an sich selbst?

Meinung:

Ein sehr schönes Buch, dass sich eingehend mit dem Thema Glück beschäftigt und offen die Frage stellt, was denn eigentlich Glück ist. Sophia beschäftigt sich in „Dem Abgrund so nah“ stellvertretend für unzählige Frauen auf dieser Welt mit ihren Problemen und versucht Lösungen zu finden um ihr Leben endlich glücklich gestalten zu können. Sicherlich werden sich viele in dem Roman wiederfinden - wenn auch nicht in allen Punkten, aber zumindest das eine oder andere Problem, welches Sophia plagt ist sicherlich auch bei vielen anderen Menschen auf diesem Planeten aktuelle Thematik. Die Autorin beschreibt dabei sehr bewegend, wie sich Sophia fühlt und was sie tut um ihr Glück zu finden. Das Buch ist sicherlich nicht als Ratgeber gedacht, aber vielleicht findet die eine oder andere Frau darin ja die Antworten auf ihre Fragen des Lebens.

Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen - wer allerdings hochgreifende Lyrik erwartet ist hier absolut fehl am Platz - dafür ist der Romann kurz und knapp gehalten (ein absoluter Vorteil für alle, die nicht die Muße für unendlich dicke Romane haben) und teilweise sehr bewegend. Die Hauptthemen von Sophia - dem Abgrund so nah sind Familie und Arbeit. Es werden Fragen bearbeitet wie man Familie und Job unter einen Hut bekommt obwohl man vollzeit berufstätig ist und man einen Chef hat, der keinerlei Verständnis für derartige Problematiken an den Tag legt und ob und wie ein solches Leben überhaupt funktionieren kann.

Valerie le Fiery bearbeitet als weiteres Thema in Sophia - dem Abgrund so nahe das Thema Sucht. Es geht um die Frage wann Sucht überhaupt beginnt und wann man selbst merkt, dass man süchtig ist - merkt man es selbst als Letzter? Drogen, Alkohol und Medikamente. Alkohol ist frei verkäuflich, Medikamente schnell beim Arzt des Vertrauens organisiert und auch die Beschaffung von harten Drogen ist - sofern man sich in den "richtigen" Kreisen auskennt - kein Problem. Egal ob Alkohol, Medikamente oder sogenannte harte Drogen, egal was man auch immer nimmt - die Probleme werden niemals in Luft aufgelöst, sondern nur für den Moment etwas weniger. Am Ende des Tages helfen keine Drogen (egal ob legal oder illegal) über Probleme hinweg - diese Einsicht kommt bei manchen Konsumenten etwas früher, bei anderen etwas später. Wie beginnt der Absturz eines Menschen? Er gibt sich auf und merkt es selbst kaum, weil er sich selbst mit anderen Augen sieht als seine Mitmenschen. Einige schaffen es, aber für manche ist es zu spät aus dem Kreislauf von Drogen und Selbstmitleid zu entfliehen.

Natürlich spielt in Valerie le Frierys Roman auch die Verzweiflung eine große Rolle. Was tut man nicht alles aus Verzweiflung und was passiert mit einem Menschen, der sich schlichtweg alleingelassen fühlt? Was passiert mit einem Menschen, der in der Familie, auf der Arbeit und in seiner Beziehung alleingelassen wird? Was passiert mit jemandem, der von allen allein gelassen wird? Was passiert mit jemandem, für den sich niemand zu interessieren scheint? Was passiert mit einem Menschen, der Schicksalsschläge ertragen muss? Wie geht ein Mensch mit solchen Schicksalsschlägen um? Valerie le Friery stellt aber nicht nur Fragen, sie zeigt einem in Sophia - dem Abgrund so nahe auch ganz anschaulich, dass niemand vor allem Schlechten geschützt ist und jedem die Dinge passieren können, mit denen Sophia zu kämpfen hat.

So wie Sophia geht es sicherlich vielen Menschen. Sie haben eine nicht gerade perfekte Kindheit und Jugend und versuchen sich deswegen als Erwachsene über den Erfolg bei Ihrer Arbeit und über das Glück ihrer Familie zu definieren - wobei sie sich dann nicht selten selbst verlieren. Man möchte, dass es den Kindern an nichts mangelt und opfert dabei das eigene Glück für das Glück der Familie. Auf der Arbeit versucht man gleichzeitig alles richtig zu machen und seinem Chef stets alles recht zu machen - auch wenn dieser kein Verständnis für die eigenen Bedürfnisse und persönliche Probleme hat. Am Ende des Tages passiert es nicht selten, dass man an allem zerbricht - die Arbeit leidet unter den persönlichen Problemen und nicht selten zerbrechen Familien, weil man sich allzulang zerrissen hat und bei dem Versuch alles "perfekt" zu machen plötzlich alles falsch gemacht hat.

Fazit:

Ein sehr schönes Buch für alle Sophias auf dieser Welt, die eigentlich ein glückliches Leben führen könnten, wenn da nur nicht ihre Probleme wären. Sehr emotional geschrieben und somit die richtige Lektüre für alle Frauen, die gerne ein "leichtes" Buch auf dem Nachtschränkchen liegen haben.

Infos zur Autorin:

Valerie le Fiery erblickte das Licht der Welt in einer großen deutschen Stadt. Über ihr Alter schweigt sie allerdings, denn eine Dame darf auch Geheimnisse haben. Schulaufsätze lagen ihr nie so sehr, das mag aber auch mit der Themenauswahl durch ihre Lehrer zu tun gehabt haben.

Heutzutage erfindet sie für ihr Leben gerne Geschichten, die sich hauptsächlich um die schönste Nebensache der Welt drehen. Manchmal lässt sie sich aber auch dazu hinreißen, etwas Nachdenkliches zu schreiben, etwas Komisches, oder aber – was wohl am schlimmsten ist – sie dichtet auch. Auch die Gedichte haben in den meisten Fällen etwas mit Liebe oder Erotik zu tun, manchmal können sie aber auch ganz schön schräg sein.

Ansonsten verfasst sie kleine Artikel über Wichtiges und Unwichtiges, über Privates und Öffentliches in ihrem Blog auf Wordpress.com – wobei ihr dort noch keiner eine Antwort auf die Frage zu geben vermochte: „Wer bin ich, bin ich wer?“



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