Freitag, 5. Dezember 2014

Rezension: The Spirit behind the Tattoo von Werkbank 030


 The spirit behind the tattoo
Eine Rezension von: Daniela Malsch
Originalausgabe in deutscher Sprache
384 Seiten I Format 290 x 290 mm
Hardcover
49,99 Euro
ISBN 978-3-942860-61-1
erschienen am: 01.08.2014
herausgebender Verlag: Werkbank 030
In Kooperation mit www.bloggdeinbuch.de

Kurzbeschreibung:

„The spirit behind the tattoo“ setzt die erfolgreiche Tattoo-Reihe „Best of Artists“, „Traditional Tattoos“ und „Bright Color Tattoos“ fort. Präsentiert werden die besten, talentiertesten und kreativsten Tattoo-Künstler aller Stilrichtungen rund um den Globus. Die Künstler gewähren tiefen Einblick in ihre Welt der Tattoos.

Wer Zugang zur Welt der Tattoos bekommen will, darf sich nicht nur mit dem Werk, sondern muss sich auch mit dem Künstler auseinandersetzen. Wer sind diese Menschen, die in oft stunden-, manchmal tagelangen Sitzungen Kunst auf Haut bannen? Wie gehen sie mit der Verantwortung um, den menschlichen Körper für ein Leben zu „zeichnen“? Wie groß ist ihre Wertschätzung gegenüber dem Menschen als Leinwand? Dieses Buch gewährt einen faszinierenden Einblick in die Welt großartiger Tätowierer rund um den Globus. So unterschiedlich ihre Tätowier-Stile und Motive sind, so vielfältig sind auch die Künstler. Während die einen echte Avantgardisten sind, die neue Techniken und moderne Bilder schaffen, gehen andere „back to the roots“ und knüpfen an die alten indigenen Tattoo-Kulturen an, die bereits seit Jahrhunderten praktiziert werden. Die in diesem Buch vorgestellten Künstler sind die Stars der Szene. Sie betreiben eine Kunstform, die immer kontrovers bleiben wird, auch wenn das Thema Tattoo längst in der bürgerlichen Gesellschaft angekommen ist. Und so wird auch der Kult um die Tattoo-Künstler immer ein Stück weit geheimnisvoll und provozierend bleiben.


Meinung:

Inzwischen gehören Tattoos zum „guten Ton“ der Gesellschaft und nicht mehr einzig und allein auf die Haut von Prostituierten, Gefängnisinsassen und Seeleuten - dennoch denken heute noch immer zu viele Menschen schlecht über jene, deren Haut ein Tattoo ziert. Gerade ältere Menschen sehen tattowierte Menschen mit skeptischen Augen. Ja, natürlich, früher ist es wohl so gewesen, dass sich Gefängnisinsassen für jeden Gefängnisaufenthalt einen Punkt auf die Hand tattowiert haben und ja, auch die Träne unter dem Auge hatte eine negative Bedeutung. Die Arme von Seeleuten zierten einst Tattoos von leichtbekleideten Damen, Ankern und Segekschiffen und lange Zeit galt ein Schmetterling auf dem Körper einer Frau als Zeichen dafür, dass sie eine Prostituierte sei. Zuhälter haben in vergangenen Tagen ihre „gezwungen sich Strichcodes oder anderweitige Zeichen als Brandmarkung stechen zu lassen. Eine französische Lilie würde in vergangenen Tagen Fälschern, Betrügern und Dieben auf die Schulter tattowiert - als Zeichen der Warnung. Nunja, was soll man dazu sagen? Es wurden einst auch Menschen dafür hingerichtet, die behaupteten die Erde sei Keine Scheibe, sondern eine Kugel. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert, es ist allseits bekannt, dass die Erde keine Scheibe ist, von der man am Ende des Horizonts fallen kann, Frauen tragen Schmetterlingstattoos, weil sie ihnen gefallen und die französische Lilie ist ebenfalls ein beliebtes Motiv - bei ganz normalen Menschen. Wenn man sich dies erst einmal verinnerlicht hat, sieht man Tattoos plötzlich mit ganz anderen Augen, denn eins steht fest: Jawohl, tattowierte Menschen, sind ganz gewöhnliche Menschen, so wie Du und ich und auch, wenn sehr viele Menschen zu ihren Tattoos stehen gibt es viele Menschen, die ihre Tattowierungen verdeckt tragen und denen man es vielleicht gar nicht „zutrauen“ würde tattowiert zu sein. Einer dieser Menschen bin zufälligerweise ich selbst. Ja, ich trage ein Tattoo und nein, es weiß bei weitem nicht jeder - im Gegenteil. Es wissen nur ganz wenige Menschen, dass ich tattowiert bin, aber nicht weil ich mich dafür schäme, sondern weil es in meinen Augen nichts ist, was ich unbedingt jedem auf die Nase binden muss - denn ist etwas völlig normales, auch wenn es noch immer von vielen als unnormal angesehen wird. Mein erlernter Beruf als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte hat mich dazu gezwungen mein Tattoo an einer Stelle stechen zu lassen, die mit im Alltag die Möglichkeit gibt, es zu verdecken - deswegen habe ich mich für den Rücken entschlossen. Genau zwischen meinen Schulterblättern habe ich mir das Tattoo stechen lassen, was ich selbst entworfen habe. Ich habe mir viel Zeit dabei gelassen, denn es sollte etwas wirklich besonderes werden - und das wurde es dann auch. Eben weil es für mich soetwas besonderes ist muss es auch nicht jeder sehen und ich bin damit sehr glücklich.

„The spirit behind the tattoo“ befasst sich jedoch im Gegensatz dazu mit Menschen, die Ihre Tattoos sehr gerne zeigen und natürlich mit den Künstlern, die diese Kunstwerke „für immer“ auf die Haut ihrer Kunden bannen. Jedes Tattoo ist anders, jeder Tattooträger ist anders und genau so ist auch jeder Tattowierer völlig anders. Manche Tattowiere sehen es als lukrative Einnahmequelle - und ja, man kann mit Tattoos wirklich viel Geld verdienen, aber dafür muss man schon eine Begabung haben. Wirklich gute Tattoos werden nur von Tattowierern gestochen, die nicht nur einfach ihr Handwerk verstehen (es gibt übrigens keinen Lehrberuf „Tattowierer - jeder kan ein Tattoostudio eröffnen, Tattowierer bringen sich die Kunst des Tattowierens im Selbststudium und durch Anleitung erfahrener Tattowierer selbst bei), sondern die ihren Beruf lieben. Jene, die sich selbst in jedem einzelnen Motiv verwirklichen, jene, die eine tiefe Liebe zur Kunst des Tattowierens empfindn und jene, die mit dem nöigen Ehrgeiz und Respekt an jedes einzelne Tattoo herangehen - nur jene Tattowiere sind am Ende des Tages wirklich gute Tattowierer. Einen guten Tattowierer erkennt man übrigens unter anderem an dem Umstand, dass man lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss, bis man einen Termin bekommt. Ich habe zum Beispiel ein halbes Jahr auf meinen Termin gewartet - ich weiß von anderen Studios, dass man dort innerhalbt von wenigen Wochen einen Termin bekommt - von solchen Studios würde ich persönliche meine Finger lassen (aber das nur als kleinen Tipp am Rande).

„The spirit behind the tattoo“ hat mir außerordentlich gut gefallen und es ist durchaus ein Buch, was man immer wieder gerne zur Hand nimmt. Man schaut sich immer wieder gerne die Fotos an, findet Anregungen für neue Tattoos und die Geschichte der einzelnen Tattowierer gibt dem Leser einen wunderbaren Einblick in die Welt des Tattoos - absolut empfehlenswert für alle, die sich auch nur im Entferntesten mit Tattoos beschäftigen (selbst, wenn sie selbst keines haben). Ich denke das Buch stellt auch ein wunderbares Weihnachtsgeschenk dar - vielleicht für die Oma, die auf alles und jeden Schimpft, der sich Farbe unter die Haut stechen lässt? Vielleicht ändert dieses Buch ja endlich die Sichtweise derer, die noch immer glauben Tattowierte seien schlechtere Menschen. Denn eines steht fest: Tattowierte sind sicherlich keine besseren Menschen als untattowierte, aber umgekehrt ist es erstrecht nicht der Fall. ;-)


Fazit: Ein schönes Buch für alle, die sich für Tattoos interessieren und ein herrliches und zugleich eindrucksvolles Weihnachtsgeschenk. Wer einen Blick ins Buch riskieren möchte kann dies hier tun.


Alle meine Rezensionen findest Du hier.




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